2. Jahrestag
Vor diesem Tag bzw. Tagen hatte ich große Angst. Wir hatten keine Ahnung, wie man diese gestalten sollte bzw. in welcher Verfassung wir sein würden. Am liebsten hätte ich mich einfach in mein Bett verkrochen.
So waren wir sehr überrascht, als sich Freunde von Sebastian meldeten und fragen, ob sie sich bei uns treffen könnten. Mein Mann hatte große Bedenken, dass mir das alles zu viel werden würde. Aber der Gedanke, dass Sebastian noch immer so sehr in den Gedanken und Herzen seiner Freunde ist (und ich bin mir sicher: auch immer bleiben wird) gab mir sehr viel Trost und Kraft! So startete Marina und Matteo einen Rundruf und gab allen Bescheid, dass wir uns am 18.10., Sebastians Unfalltag, in unserer Hütte treffen würden.
Dass dann wirklich alle so zahlreich kamen, hat mich sehr mit Dankbarkeit und Stolz erfüllt - mit Stolz auf Sebastian, dass er wirklich gute Freunde hat!!! Vielen Dank!
Hier ein paar Bilder:
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
An diesem Abend ist dann noch etwas ganz besonderes passiert:
Es war wie gesagt der Tag, an dem Sebastian vor zwei Jahren nicht mehr nach Hause kam. Getroffen haben wir uns in unserer Gartenhütte. Ein Teil von uns saß draußen vor dem Kamin. Als es dann auf 21:00 Uhr zuging, wurde es mir sehr schwer ums Herz und ich wünschte mir so sehr, dass wir uns einfach alle zusammenstellen und gemeinsam an Sebastian denken würden. Aber ein Teil war in der Hütte und alle unterhielten sich - ich wollte auch nicht die Stimmung unterbrechen. Als es dann kurz nach 21:00 Uhr war - es war die Zeit, als sich der Unfall ereignete - wurde es mir so schwer ums Herz und um meine Tränen zu unterdrücken, schaute ich hoch in den Himmel. Es dauerte einen Moment bis ich realisierte, was ich da sah! Ich stieß meine Schwester an, die neben mir saß, deutete in den Himmel und sagte ihr, dass das ein Zeichen von Sebastian ist. Es ging dann rum wie ein Lauffeuer. Alle schauten ganz fassungslos in den Himmel - so eine Erscheinung hatte noch keiner zuvor gesehen!! Es war gewölbt, rund und in der Mitte leuchtete ein Dreieck, ein wenig verwischt. Erst als dann auch alle aus der Hütte kamen, löste sich diese Erscheinung auf. Ich glaube einige von ihnen konnten es nicht mehr richtig erkennen, aber es kam dann das, was ich mir so sehr gewünscht hatte: wir standen alle gemeinsam draußen, schauten in den Himmel und dachten an Sebastian. Und ich weiß ganz genau, dass er ganz nah bei uns war! Es war wunderschön!
Als alle gegangen waren, sind wir auf den Friedhof gegangen. Und wieder wurden wir von einem so geheimnisvollen flackernden Licht empfangen:
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
Wie es mir geht? Dieser tiefe stumpfe Schmerz hat sich gewandelt. Man lernt bzw. muss lernen mit der Trauer zu leben. In der Öffentlichkeit wird man mir kaum etwas anmerken. Aber sobald ich alleine bin –egal im Auto, beim Gassi gehen oder zu Hause – weine ich noch sehr viel. Es ist noch sehr dunkel in mir. Was mich heute beherrscht ist Angst! Angst, nicht zu wissen wie es Sebastian geht und Angst, es könnte wieder etwas passieren. Ich glaube ich bin einer der entsetzlichsten Beifahrer geworden: Vorsicht! Achtung! Pass auf! Früher dachte ich ja immer, dass solche Dinge nur anderen passieren und heute weiß ich, dass es jeden Moment wieder einen Horror geben kann!
Aber dafür leben wir heute intensiver. Über jeden Moment, den wir miteinander verbringen, freuen wir uns sehr und genießen es. Früher war es oft ein „Nebenher“ oder „Selbstverständlich“ – heute ein bewusstes „Miteinander“. Und das ist wirklich sehr schön!
Im ersten Jahr habe ich funktioniert wie ein Roboter und ich glaube erst jetzt fängt mein Hirn so langsam an, die Endgültigkeit zu verstehen – obwohl, immer wieder denke ich: jetzt ist’s gut! Wenn es ein Alptraum ist oder wenn ich getestet werden soll so ist es jetzt genug! –und dann stell ich mir vor, die Tür geht auf, Sebastian kommt herein und alles ist wieder gut…….
Sebastian ich liebe dich und vermisse dich so unendlich!